Turnschuh oder Absatz

2009 November 23

Nummer 9
Eine einfache Frage, mit so vielen verschiedenen Antworten wie die Wolkenformationen dieses stürmischen Novembertags.
Auf den ersten Blick noch banal und impulsiv genau zu beantworten, verbirgt sich dahinter mehr als nur eine Wahl der richtigen Fußbekleidung, sondern viel mehr mein Leben.
Mit dem Turnschuh könnte ich all das verbinden, wonach ich mich zu weilen zurücksehne und doch weiß, dass diese Tage nie wiederkommen werden. Eine Zeitreise: zurück in die Zeit, in der Hosen ohne Löcher und gekämmte Haare was für Menschen, die wir nie werden wollten und Pullover ohne Kapuze untragbar waren, in der Schuhe mit Absätzen nur Tussen trugen, ein Mascara höchstens zum Färben einzelner Strähnchen gebraucht wurde und in der ich weder am Morgen noch am Abend Creme ins Gesicht schmieren brauchte, in der ich keinen Fuß in ein Etablissement ohne Liveband gesetzt hätte und in der wir uns in einen kleinen, ausgeräumten Raum einsperrten, das Licht ausschalteten und dann die Musik loshämmern ließen, die Pogo eines Punkkonzerts war ein Scheiß dagegen.
Und jetzt das: Willkommen zurück in der Wirklichkeit und der noch immer offen im Raum stehenden Frage: Turnschuh oder Absatz?
Aufgefallen ist mir das Ganze diesen Morgen. Ich hatte eine grobe Vorstellung von dem, was ich anziehen würde, als mir noch die Schuhe dazu fehlten. Erste Wahl wie immer meine Chucks, ausgelatscht, kaputt und dreckig. Genauso, wie sich meine Füße am wohlsten fühlten und wie ich es seit Jahren schon nicht anders pflegte. Ich schnürte sie ordentlich, versteckte den Knoten hinter der Zunge und besah mein Werk noch einmal im Spiegel. Beim betrachten stellte ich fest, dass diese Schuhe ganz und gar nicht zum Rest von mir passten. Mein Kopf wollte sie, diese Schuhe, aber mein Kleid, gleichzusetzen mit den ungeschriebenen Moderegeln, begehrte etwas anderes. Und plötzlich, war es um mich geschehen, ohne Vorwarnung, war es passiert! Eine gewisse Unstimmigkeit erfasste mich und ich dachte daran, doch mal die Stiefel auszuprobieren, die direkt neben mir standen. Schnürsenkel also wieder hervor gekramt, entknotet und Schuhe weg. Ich schlüpfte in die langen Röhren der Winterstiefel, beim Auftreten klackerte es zweimal ungewohnt. Ein erneuter Blick verriet, die sind perfekt, die behalte ich gleich an.
Zufrieden geht es los, nur ein kleines Unbehagen bleibt, ich wusste doch genau, welche Schuhe ich anziehen wollte! Der Tod des Turnschuh zu Gunsten des schicken, mehr nach Mädchen aussehenden Stiefels mit, wer kann es anders sagen, Absatz. So sieht es aus, wahrscheinlich war es schon längst Zeit, das auch einmal auszusprechen. Ich bin jetzt groß, ich bin jetzt Tussi!

Wohlan mein Herr, lasst den Kopf nicht hängen

2009 November 22
von Juli

Nummer 8

Whats The Story Morning Glory?
Ganz gleich – es geht immer weiter!
Manche wollen sich verkriechen und verstecken, aus Selbstschutz oder Verletztheit.
Möglicherweise sogar beides.
Andere denken, dass es sehr viel schlimmere Gründe gibt und das es nicht nur für jede Situation ein Lied gibt, das dazu passt, nein, sondern auch ein Lied, dass diese Misere Überwinden lässt.
Wohlan mein Herr, lasst den Kopf nicht hängen.
Das Leben ist schön.

Warum ich hier sitze und Puffreis esse

2009 November 20

Die Woche begann mit einer Abschlussprüfung im Fach Pathologie, Krankheitslehre. Das schon seit Beginn der Ausbildung jeder die wöchentlichen 90 Minuten Unterricht ganz individuell für etwas anderes nutze, als dem Monolog des bereits etwas in die Jahre gekommenen Doktors zu folgen, tat einem Durchschnitt von 1,0 keinen Abbruch. Worüber weder der Lehrer selbst, noch das Kollegium sonderlich überrascht zu sein schien. „Zur Motivation ist Pathologie als erstes Prüfungsfach immer das beste.“ Meinte eine unserer Lehrlogopäden sogar und sah wissend in die Klasse. Es war schon dunkel, als ich das Schulhaus verlies, an DEM Punkt von Chemnitz überhaupt, anderen auch unter Zentralhaltestelle oder einfach nur Zenti bekannt, traf ich dann auf ein kleines, quirliges Mädchen, das über beide Ohren strahlend verkündete, es wolle Schauspielerin werden. Wir verabredeten uns für den nächsten Abend und gingen unserer Wege. Zu Hause angekommen wurde meine Welt dann zusätzlich noch durch ein Telefonat erhellt, allein ihre Stimme in meinem Ohr zu hören und zu wissen, dass Entfernungen kein Hindernis sind, machte den Tag zu etwas Besonderem. Dienstag und die nächste Überprüfung, dieses mal zum Thema Staatsrecht, standen an. Die Arbeit kam, ich saß nach 20 Minuten da und fragte mich, was die anderen so schreiben. Nicht, weil mir selbst nichts einfiel, sondern weil ich alles gesagt hatte, was ich diesem Mann zu sagen hatte. Damit meine ich meinen Lehrer. Seinen unaussprechbaren Namen traue ich mich jetzt auch nicht niederzuschreiben. Bei der Schreibweise liegt der Verdacht nahe, er könnte zu leicht zu googlen sein und ich wäre enttarnt. Warum ich ihn nicht mag? Die Frage liegt nahe und ist mit einer widersprüchlichen Antwort in wenigen Sätzen erklärt. Er stellt eine Frage, ich antworte und er hinterfragt. Nicht, weil es falsch ist, sondern weil er mich herausfordert darüber nachzudenken und nicht alles gleich hinzunehmen. Eigentlich eine recht gute Absicht, oder? Klar, dass kann ich mir in Gedanken auch immer und immer wieder herbeten, doch, dann fragt er, ich antworte und er lässt es nicht gelten und hinterfragt. Ich werde dann einfach wütend…Arrggg! Im nächsten Fach kehren wir wieder ein wenig zu uns selbst zurück. Wir tasten mit unseren Händen nach der Atmung unserer Partner und ließen dabei unsere Scheu vor Fremden fallen. Wenn man danach aus hat, macht man gern alles mit. Zu Hause angekommen beschloß ich, dass es das Beste wäre den Abend gemeinsam mit den Freunden zu verbringen. Nicht nur, weil das gut für die Gesundheit und Seele ist, sondern vor allem, weil am nächsten Tag ein Feiertag anstand. Wohin wir wollten ist keine Frage, der Mittwoch wurde im Club FX vorverlegt und ganz sicher wusste das auch der Rest der Stadt. Zum Vorglühen, wie man so schön sagt, trafen wir uns bei einem Freund zu Hause. Sehr praktisch dieses eigene-Wohnung-haben-Ding! Nach The Simpsons und Two And A Half Men sind wir Mädels der Meinung, dass das TV-Programm den Abend nicht sonderlich tanzbar macht, also zogen wir zu fünft und mit zwei Falschen Sekt los und ließen die Jungs und ihr Bier vor dem Fernseher sitzen. Bester Laune verloren wir uns wenige Minuten nach dem Betreten des Clubs, verstreuten und fanden uns wieder. Tranken, tanzten und lachten. Trafen auf altbekannte und neue Gesichter und grüßen. Sorgten dafür, dass Klamotten irgendwo anders untergebracht werden konnten, weil die Gardarobe längst überfüllt war und dachten uns kleine Schlachtpläne aus, wie man den Securities weiß machen kann, man sei tatsächlich fast 18. Es war wohl gegen zwei Uhr, als ich dann endlich am Höhepunkt meines emotionalen Durcheinanders angekommen war. Wir saßen zu zweit draußen im Regen, ich redete die ganze Zeit von Ungerechtigkeit und überhaupt, warum ausgerechnet die zwei, die ich gerade brauchte, nicht da waren. Die Zeit verging, es wurde kalt, wir wollten wieder tanzen. Mitten im Lied hatte ich einen Geistesblitz, der mir im nüchternen Zustand ganz sicher heute noch nicht gekommen wäre. Ich muss sie einfach anrufen. Es war fast drei, aber ich war wach. Also warum sollten es dann die, mit denen ich sprechen wollte nicht auch sein? Sie schliefen, einer ging trotzdem ran. Beantwortete mir alle Fragen und ich war beruhigt. Als ich das Gespräch beendete, stand er plötzlich wieder vor mir und wollte nicht gehen. Er sagte Ja und gab mir seine Hand. Wir sehen uns Samstag waren wohl die letzten Worte, bevor er in den Bus und ich das Taxi stieg. Halb fünf zu Hause, um neun wieder aufgestanden. Feiertag. Buß- und Beettag um genau zu sein, ein Tag, den lediglich die Sachsen noch zu zelebrieren gedachten oder der uns zumindest einen freien Tag mehr beschaffte. Leider ging der Tag ein wenig von schlechter Stimmung geprägt zu Ende, was dafür sorgte, dass am Donnerstag Abend niemand nach Dresden fuhr, um diverse Konzerte von kanadischen Talentbands zu besuchen. Egal, wurde auch irgendwie abgehakt. Vorfreude herrschte nun bei den Gedanken an den Freitag und das geplante Frühstück mit der gesamten Klasse und unserem Soziologieprofessoren, dessen letzte Stunde dies bei uns werden sollte. Wer das Rätsel um seine Lieblings- 1) nachtisch, 2) torte, 3) hauptgericht und 4) Wunschautomarke lösen konnte, sollte bei seiner Abschlussnote einen Grad nach oben springen. Einige nahmen die Herausforderung mit Vergnügen an und am Ende wurden nur die Noten sehr gut und gut verteilt, was unsere Leute wahrscheinlich schon wieder besser dastehen lassen würde, als die der Parallelklasse, die bei der gegenseitigen Auswertung der Pathologiearbeit nicht so zimperlich miteinander umgegangen sind und auch eine andere, sagen wir mal nicht ganz so engagierte, Lehrerin im Fach Soziologie abbekommen hatten. Als ich nach Hause kam, konnte ich von weiten ein paar Wortfetzen mit meiner Mama austauschen. Sie wollte gerade zum Fußballtraining aufbrechen und ich stellte fest, dass ich allein zu Hause war. Mit dem Gedanken an ein Versprechen aus der Nacht von Dienstag zu Mittwoch verabredete ich mich mit einem Bekannten zum Fasching inklusive Abholen und Nachhausebringen, weil er gleich nebenan wohnt. Jetzt sitze ich hier, esse Puffreis und denke wieder daran, wie ich vor einer Stunde angefangen hatte zu schreiben. Schon ein wenig witzig die Begebenheiten der Woche, alles irgendwie in einer Ordnung, die mir beliebt und das Leben lebenswert macht. Weil es so öfter sein sollte, weil ich versuche immer positiv zu denken und immer daran glaube, dass man es zumindest versucht haben sollte! Das Zeug heißt seit Neustem übrigens Knusperreis, also als ich noch jung war… :)

Entdeckungen des Wochenendes

2009 November 15
von Juli

Mein Freund ist wieder zu haben – wer hat, der kann.

Soviel zum Thema.

Bonaparte <333 einfach genial: http://www.youtube.com/watch?v=fZGcuidPMB0
Twitter…welcome to the web 2.0 – es hat auch uns erreicht! http://twitter.com/daniievalente

Beobachtungen am Nachmittag im Herzen der Stadt

2009 November 10
von Juli

„Hey – fuck the people“ mit deinem bösen Palituch und den 20 Buttons an der Tasche. Ich muss hier trotzdem durch!!!

Gehn die Leute auf der Straße absichtlich so langsam?

Allein sein heißt…

2009 November 7
von Juli

Es gibt Tage, an denen ist man einsamer als an anderen.
„Sind deine Eltern etwa nicht da?“
Gute Frage, sie sind es. Aber was heißt schon da und was hat das eine mit dem anderen zu tun?
Es jedem einzelnen zu erklären fehlt mir die Ausdauer und das Vermögen, mein Seelenleben vor jedermann breitzutreten. Ich will sagen, dass mir jemand fehlt, der mich auch versteht! Ich will sagen, dass ich es anderen manchmal schwer mache, mich zu verstehen, weil ich mich nicht traue, mich auch mal auszusprechen. Ich will sagen, ich kann dir zwar alles erzählen, aber ich brauche auch mal eine Meinung, ein Feedback, etwas was mit Halt gibt und mich weiterbringt. Verlange ich zu viel? Erwarte ich etwas, was ich nicht finden kann, solange ich nicht weiß, wo ich suchen soll, oder stelle ich einfach nur zu viele Fragen und lasse keine Luft für die Meinung anderer Leute?

Aller Guten Dinge Sind Drei

2009 November 6

Nummer 7

Manchmal ist es gut, abgewiesen zu werden. Denn man ehrlich, wer hat schon Lust für so eine alte, verbohrte Kindergartentante zu arbeiten, bei der man schon im Voraus weiß, dass man weder mit ihren Methoden noch ihrer Vorstellung von Kindererziehung zurecht kommen würde? Eben. Deswegen macht auch Absage Nummer zwei keine Regenwolken, sondern lässt viel mehr auf aller guten Dinge dritte Wahl hoffen. Eingefallen, ein neuer Ort, nicht unweit dem ersten, weit genug weg vom zweiten.
Davon mal abgesehen, lassen  uns Erfahrungen reifen, Erkenntnisse werden mit ins Leben hinausgetragen und was nicht sein soll, soll nicht sein. Zu weilen müssen wir etwas suchen, bevor wir das richtige gefunden haben, das was wirklich zu uns passt, anstatt sich mit dem erstbesten zufrieden zu geben, nur weil es gerade vor der Tür steht.

ungebrochener Eigensinn

2009 November 4
von Juli

Au – guck mal, da lebt so ein kleines, junges Mädchen, manchmal aufmüpfig, immer lachend und gern gesehen. Auf einmal, fühlt es sich hin und wieder unterdrückt, nur noch traurig und nirgends beachtet. Es irrt ein wenig blind durch die Straßen, ob Tränen oder Regen vermag es nicht auseinander zu halten, es friert an den Händen und die Füße schmerzen schon, den Kopf voller Gedanken, keiner scheint tröstlich, alle klagen nur an. Die Menschen die dem Mädchen einmal wichtig waren, scheinen weit weg und ungreifbar. Die Gefühle sind abgestumpft und nur der Mechanismus, der sich den Beinen untergeordnet hat, lässt es weiterlaufen. Es freut sich nicht darauf irgendwo anzukommen, weiß es doch nicht, wohin es will. Es kann nicht sehen, was es erwartet, denkt es doch nicht mehr allein. Alle Bilder die in ihm hochsteigen, wirken frustrierend und wiederholen das tägliche Geschehen auf grausige Weise. Freund, wo bist du jetzt, wenn ich dich brauche, fragt es sich, doch es wagt es nicht, es auch auszusprechen. Freund, wer bist du, wenn du nicht da bist, wenn ich dich brauche, fragt es sich, doch klagt es nicht. Freund, wann werde ich dich wieder sehen, fragt es sich, doch es sagt es nicht. Denn dafür, besitzt das Mädchen noch immer zu viel Stotz.

Kleines Licht

2009 November 2
von Daniie Valente

Ich wäre gern ein kleines Licht, das immer leuchtet. Dann könnt’ ich anderen den Weg aus der Irre zeigen, wär’ immer warm und allerorts wöllt man mich in der Mitte wissen; dann würd’ ich glänzen und den Tag erhelln, belebt ihn mal mit kleiner und mal mit großer Freud’, für Jung und Alt, für alle Leut’. Ohne unten, oben ohne, unten ohne, wagt ich oben stets strahlend voraus den ersten Schritt. Ich wäre gern ein kleines Licht, das dich auf deinen Reisen begleitet und dich schützt.

Paris

2009 Oktober 28

Wo bist du? Idee, Schlüssel, Gefühl

Wann sehen wir uns wieder? Schlüssel, Gefühl

Wer vermag dich zu finden? Gefühl

Ich will zurück nach Paris, wenn möglich bitte wenden!